Ich wollte eigentlich etwas rumfahren, aber da hatte dann wohl Anita gestern Abend etwas dagegen. Sie hat Probleme mit dem Fuß und das wird nicht besser. Ich hatte schon mehrfach gesagt, sie solle zum Arzt, wollte sie nicht, jetzt schon. Also fahren wir morgen zum Arzt. Und dann braucht sie auch noch eine neue Lesebrille. Wenn wir dann einmal unterwegs sind, dann können wir auch noch zum Optiker. Und zur Bank und auch gleich im Restaurant Mittagessen.
Seit Tagen läuft sie mit Schlappen von mir rum, weil die größer sind und nicht drücken. Als wir dann loswollen, hat sie natürlich ihre eigenen an, die drücken. Diskussion zwecklos.
Der Arzt stellt fest, dass sie an der Innenseite des kleinen Zehs eine Blutblase hat. Die wird geöffnet, es wird alles desinfiziert und verbunden. Sie soll die nächsten 5 Tage täglich zum Verbinden wiederkommen. 
Der Optiker ist gut 100 m entfernt. Ihre alte Lesebrille hat sie mit, sie will nur neue Gläser. Wir müssen etwas warten, aber dann geht es los. Ich erkläre, was sie will. Oder besser, ich erkläre, was sie mir sagt, was sie will. Denn plötzlich stellt sie fest, dass auch das Weitsehen nicht mehr so gut ist. Das kann ja alles geprüft werden. Die Geräte sind modern, es geht in den Nachbarraum zum Prüfen und Messen.
Ich stehe daneben, denn Optikerin und Anita haben sprachlich keinerlei Schnittpunkte.
Zuerst werden die Sehwerte automatisch von einem Gerät geprüft und dann werden diese Werte auf ein manuelles Teil übertragen. Man soll durchschauen und der Optiker kann die Werte verändern. Das lebt natürlich davon, dass der „Patient“ mitarbeitet und die Veränderungen kommentiert. So etwas wie besser und schlechter. Das funktioniert mit Anita leider nur sehr suboptimal, eigentlich gar nicht. Die Optikerin kann machen, was sie will, Anika kommt nicht über 30% Sehkraft. Sie meint, auch ohne die vorübergehende Sehhilfe besser sehen zu können, und kommt auf 40%!
Jetzt könnte ja der Grundwert falsch sein und ich bitte die Optikerin die Computermessung noch einmal vorzunehmen. Sie kommt auf ähnliche Werte, wir versuchen es aber nochmal. Nur kann man sich auf Anitas Mithilfe nicht verlassen.
Nach besser, schlechter und dann noch schlechter. Die Optikerin sagt mir dann, dass Anita’s noch schlechter mit der Einstellung kam, die sie vorher noch als besser bezeichnet hat. Anita entscheidet, dass sie jetzt doch nur eine Lesebrille haben möchte. Nicht nur die Optikerin ist erleichtert. Auch bei der Bestimmung der Sehstärke für die Lesebrille hat Anita ihren eigenen Kopf. Sie soll eine Karte mit verschiedenen Schriftgrößen in Leseweite halten und sagen, welche Zeile sie noch klar erkennen kann, klar! Nicht mit Anita! Die Karte wandert vor und zurück und dann: Sie kann alle Zeilen lesen. Klar? Nein!
Neuer Versuch, Anita! Ich halte die Karte!
Und noch einer, jetzt bleibt der Kopf auch in der Position und wandert nicht vor und zurück.
Irgendwann kommen wir dann zu einem Ergebnis. Ich bin mir nicht sicher, dass es auch ein optimales Ergebins ist. Neue Gläser und altes gestell passen nicht zusammen, es muss ein neues ausgesucht werden, ein billiges, sie ist schließlich schon fast 86.
Nach knapp 3 Stunden beim Optiker sind wir dann auf dem Weg zur Bank, machen da auch nur einen kurzen Besuch, aber müssen mittelfristig nochmal hin. Statt gegen halb eins da zu sein, ist es mittlerweile 15 Uhr, als wir im Borussiapark ankommen.
Nach dem Essen fahren wir zurück. Vor ihrer Tür sagt sie mir dann schon, dass wir aber morgen nicht zum Verbinden fahren, erst Samstag wieder.
Ich bleibe jetzt zu Hause!